Subject: INFO: Wein Date: 13 Aug 2002 10:26:18 GMT From: Christina Philipp Organization: privat Newsgroups: de.alt.rec.getraenke Hallo! Hier kommen neue (alte) Wein-Infos, die ich noch nicht in drm gepostet habe. Grüße und Tschöö Christina Alles über Reben (Info) Bukett-Sorten (Info) Die Welt der Portweine (Info) Reife Weine (Info) Weinauszeichnungen (Info) Weine aus Spanien (Info) Winzergenossenschaften (Info) Zwischen Lese und Abfüllung - was im Keller passiert (Info) MMMMM----- 'Kalorio V1.24' (reg.) nach Meal-Master Title: Alles ueber Reben (Info) Categories: Information, Drinks Servings: 1 Text 1 Info MMMMM------------------------QUELLE------------------------------- - Kaffee oder Tee, - SWR 08.02.2001 - Erfasst von Christina Phil Reben gab es schon vor 80 Mio Jahren auf dieser Welt - Wildreben natuerlich. Auch in unseren Breiten waren sie (mit Ausnahme der Eiszeiten) heimisch. Wie Lianen hingen ihre Triebe in den Baeumen. Wenige, kleine und meist ziemlich saure Beeren hingen daran. Die letzten Rueckzugsraeume dieser Wildsorten waren die Aue-Waelder am Rhein. Schon in der Fruehzeit der Menschen, haben die Jaeger und Sammler unbewusst eine Zuchtauswahl getroffen. Sie haben auf ihren Streifzuegen naemlich immer nur die suessesten dieser wilden Beeren gepflueckt. Damit haben sie unbewusst das beste Genmaterial gesammelt. Denn ueber ihre Ausscheidungen haben sie die unverdauten Kerne in der Naehe der ersten Doerfer konzentriert wieder ausgesaet. Diese Wildreben waren uebrigens fast ausnahmslos rote Sorten. Sie sind heute weitgehend ausgerottet, die Rheinbegradigung hat ihren Lebensraum vernichtet, ausserdem waren sie hilflos den Rebkrankheiten ausgeliefert, die im 19. Jahrhundert aus Amerika eingeschleppt wurden. Spaeter ging der Mensch bewusst dazu ueber, die Stoecke mit den besten Trauben auszuwaehlen, anzupflanzen und miteinander zu kreuzen. So entstanden die Kultursorten. Die Antiken Kulturen benannten ihre Weine nach der Herkunft. Plinius nennt im 1. Jahrhundert 80 verschiedene Weine. Allerdings ist unklar aus welchen Sorten sie gekeltert wurden. Nur an wenigen Stellen finden sich genauere Beschreibungen von Traubensorten. Die Sorten spielten auch bis in die Zeit um 1500 keine grosse Rolle, weil die Weine vorher nicht geschwefelt waren, deshalb eher wie Sherry schmeckten - und da sind die Sortenunterschiede im Geschmack kaum mehr feststellbar. Wichtig war nur, dass die Trauben viel Ertrag brachten, viel Zucker hatten - damit sie viel Alkohol bilden konnten - und nicht vor Saeure strotzten. Erst mit der Schwefelung kam so etwas wie ein Sortenbewusstsein auf. Die Fuersten verlangten ihren Zehnten von den besten Weinen und foerderten deshalb den Anbau immer besserer Sorten. Allerdings wuchsen diese Hauptsorten immer gemischt mit anderen - um das Risiko von Missernten zu vermindern und um in schlechten Jahren den Geschmack aufzubessern. Der sogenannte "gemischte Satz" war bis ins 20. Jahrhundert hinein ueblich. Die Herkunft einzelner Sorten zurueckzuverfolgen ist ein schwieriges Unterfangen. Es gibt naemlich meist bestenfalls historische Beschreibungen, nach denen sich Kenner ein Bild machen koennen. In neuerer Zeit koennen Gen-Untersuchungen helfen zumindest Verwandtschaftsbeziehungen zu klaeren. Dabei hat sich gezeigt, dass der der Traminer wohl den Wildreben im heutigen Rhein- und Donauraum am naechsten steht. Auch der Ortlieber - ganz selten noch in Baden angebaut - soll eine uralte Wild-Rebe sein und die Orangentraube (nur noch in Oesterreich im Klosterneuburg in einem Rebgarten) stammt eng von Wildreben ab. Schon sehr viel weiter kultiviert, aber immer noch aus von den gleichen Urspruengen stammen der Riesling ab, der Silvaner und der Spaetburgunder. Fuer alle drei gibt es jede Menge Mutmassungen, dass sie schon in roemischer Zeit angebaut worden sein koennten. Aber beweisen laesst sich das nicht. Viel eher ist anzunehmen, dass die Roemer Nachfahren der Mittelmeer-Wildreben genutzt haben. Sie haben im Unterschied zu den mitteleuropaeischen grosse Trauben, lockere Beeren und sind frostempfindlich. Mit den Roemern selbst, aber vor allem auch noch einmal mit den Kreuzfahrern sind diese Sorten nach Deutschland gekommen. Der Gutedel koennte einer der aeltesten davon sein - heute nur noch im Markgraefler Land zuhause - stammt er wohl aus Palestina. Aehnlich die Karriere des Muskatellers. Der Elbling gehoert dazu, er ist wahrscheinlich ueber Italien und Frankreich hierhergekommen. Der Malvasier hat ebenfalls alte, suedlaendische Quellen, ebenso der Portugieser und der Trollinger. Viele der alten Sorten sind laengst voellig ausgestorben. Sie waren "klassisch aber auch klassisch schlecht" (Dr. F. Schumann, SLFA Neustadt). Etwa eine Sorte namens Geisdutte, deren charakteristische Trauben sich auf Tempelbildern in Palmyra (Syrien) finden. Sie ist wohl in Deutschland nicht recht reif geworden. Ausserdem wurde die jeweils vorherrschende Sorte leicht von besseren verdraengt. So waren die Hauptsorten in Deutschland, sie hatten vorher so illustre Alt-Vordere wie den Harthengst (Gelber Orleans) oder Putz-Scher, Gaensfuesser und Hammelshoden (Trollinger) zurueckgedraengt und wurden ihrerseits von Riesling und vor allem vom Silvaner spaeter abgeloest. Mehr Zucker, mehr Aroma und mehr Ertrag waren letztlich immer die Gruende fuer diesen Wandel. http://www.swr-online.de/kaffee-oder-tee/tipps-tricks/weinecke/archi v/2001/02/08/index.html :Stichwort : Info :Stichwort : Wein :Erfasser : Christina Philipp :Erfasst am : 23.03.2001 :Letzte Aender. : 23.03.2001 :Quelle : Kaffee oder Tee, :Quelle : SWR 08.02.2001 MMMMM MMMMM----- 'Kalorio V1.24' (reg.) nach Meal-Master Title: Bukett-Sorten (Info) Categories: Information, Drinks Servings: 1 Text 1 Info MMMMM------------------------QUELLE------------------------------- - Kaffee oder Tee, - SWR 22.03.2001 - Erfasst von Christina Phil Bouquet - bedeutet urspruenglich "Waeldchen" heute "Blumenstrauss" und beschreibt die Mischung aus Geschmack und Geruch eines Weines. Manche Rebsorten haben eine sehr eigene, ausgepraegte Noten und gelten deshalb als Bukett-Sorten. Nachhilfe fuer die Natur: Weine mit starkem Bukett mochten schon unsere Vorfahren, sowohl die Roemer als auch die Menschen im Mittelalter. Was die Natur ihnen nicht gab, das haben sie selbst gemacht. (Aromatisierungs- und Wuerzverfahren werden schon von antiken Autoren wie Plinius oder Columella beschrieben). Im Mittelalter war das grosse Mode, weil damals auch weit im Norden Wein angebaut wurde, bis nach Koenigsberg (Ostpreussen). Die Weinqualitaet war da oft minderwertig und der Saeuregehalt hoch. Um die Weine geschmacklich zu verbessern, wurden sie aromatisiert und gewuerzt. Beliebt: Honig oder Suessholz zum Suessen, Zimt, Muskat, Nelken, Pfeffer oder Ingwer zum Wuerzen. Aroma kann auch aus den Trauben kommen... das ist kein Geheimnis. Es gibt sehr alte Sorten, die ausgepraegte Aromen haben. Gewuerztraminer oder Muskateller (von Muskat) heissen nicht zufaellig so. Nach den Zeiten der Reblaus (Ende des 19 Jahrh.) muss man wohl aber davon ausgehen, dass eher neutrale Sorten wie Elbling und Silvaner den Rebbau zumindest in Deutschland beherrschten. Der Siegeszug der Bukett-Weine startete mit den Erfolgen der Rebzuechtung in der Zeit danach: zunaechst der muskatbetonte Mueller-Thurgau, dann in Schneller Folge Sorten wie Morio-Muskat, Scheurebe, Septimer, Schoenburger, Regner, Reichensteiner, Perle, Ortega, Kerner, Bacchus und Huxelrebe. Diese Sorten haben in den 60 und 70er Jahren Karriere gemacht. Perfekte Grundstoffe fuer die "liebliche" Welle im Weinglas. In den 90ern allerdings kehrte sich das Blatt und die gleichen Sorten wurden jetzt in Bausch und Bogen verurteilt. Statt dessen waren "traditionelle" Sorten wieder in. Was zuviel ist, ist zuviel! So kann man die Abkehr von den Bukett-Sorten begruenden. Und "zuviel" bezieht sich vor allem auf die Ertraege. Manche dieser Sorten bringen willig viel Most, wenn man sie laesst. Die Masse allerdings ist der Feind der Qualitaet. Scheurebe z.B. kann ein feiner, fast dezenter Wein sein. Wenn man sie allerdings wachsen laesst wie sie will, dann entstehen saeuerliche, parfuemierte (ja nach Katzenklo stinkende) Weine. Die Zuechter hatten eher gehobene Qualitaeten im Auge und haben den Wert dieser Sorten nur im besten Segment beurteilt. Tatsaechlich aber wurden sie in vielen Faellen als Massentraeger eingesetzt, statt ihr natuerliches Potential zu nutzen, wurden sie mit Traubensaft gesuesst (mit "Suessreserve versetzt/ eine Methode, die bei ihrer Zuechtung oft noch unbekannt war). Erst Hui, dann Pfui: Waehrend in den 70ern fast die Haelfte der Neuanpflanzungen auf solche Bukettsorten entfallen sind, verlieren sie jetzt immer mehr an Boden. Mueller-Thurgau musste sogar seine unangefochtene Spitzenstellung (auf die Anbauflaeche bezogen) an den Riesling abgeben. Morio-Muskat hat ein Drittel, Scheurebe 20% ihrer Flaeche in nur einem Jahrzehnt verloren (1990-2000). Diese Namen werden auf den Etiketten immer seltener, vor allem, weil die Menge, die noch da ist, anonym als Liebfraumilch-Wein in den Export geht. Aber auch die Weinstile haben sich veraendert: Mueller-Thurgau z.B. wird als neutralerer Typ unter dem Namen "Rivaner" produziert und vermarktet. Huxel und Scheurebe haben als Sorte fuer Auslesen und Hoeheres eine gewisse Bedeutung und dort durchaus ihre Qualitaeten. Interessant ist allerdings die Entwicklung, in die internationalen Standardrebsorten (Chardonnay / Cabernet Sauvignon und andere) sowie in klassische Rebsorten immer mehr Bukett hineinzu"kellermeistern". Mit Aromahefen und -enzymen versuchen die Oenologen (Wein-Wissenschaftler) immer mehr die Fruchtnoten dieser Trauben in den Vordergrund zu bringen. http://www.swr-online.de/kaffee-oder-tee/tipps-tricks/weinecke/archi v/2001/03/22/index.html :Stichwort : Info :Stichwort : Wein :Erfasser : Christina Philipp :Erfasst am : 22.03.2001 :Letzte Aender. : 22.03.2001 :Quelle : Kaffee oder Tee, :Quelle : SWR 22.03.2001 MMMMM MMMMM----- 'Kalorio V1.24' (reg.) nach Meal-Master Title: Die Welt der Portweine (Info) Categories: Information, Drinks Servings: 1 Text 1 Info MMMMM------------------------QUELLE------------------------------- - Kaffee oder Tee, - SWR 18.01.2001 - Erfasst von Christina Phil Weltweit erfreuen sich die Portweine grosser Beliebtheit und einer steigenden Nachfrage. In Deutschland jedoch kam der Portwein immer etwas zu kurz. Er konnte sich niemals richtig positionieren, und die grossartigen Qualitaeten, wie Vintage-, Colheita- oder Late-Bottled-Port sind bei uns fast gaenzlich unbekannt. England hingegen war immer eine Hochburg fuer die Suedweine. Da Ende des 17. Jahrhunderts die Steuern fuer franzoesischen Wein sehr hoch waren, begannen die Englaender Portweine zu kaufen. Der Ruf der Portweine war dem der Bordeauxweine gleichzusetzen. Der Name Porto geht nicht, wie ueblich auf eine Region oder Ortschaft zurueck, sondern auf den Hafen, von dem aus frueher der Suedwein in alle Welt verschifft wurde. Seit ueber dreihundert Jahren wird von dort aus der Wein nach England exportiert. Damit die dunkelfarbigen Weine waehrend der Fahrt keine Einbussen erlitten, wurde ihnen hochprozentiger Alkohol zugesetzt. Bis heute hat sich die Herstellung der Portweine nicht veraendert und man spricht deshalb von aufgespriteten Weinen. Die Gaerung wird vorzeitig durch Brandy unterbrochen, sodass der Zucker noch nicht vollstaendig zu Alkohol vergoren ist. Durch diese Prozedur behaelt der Portwein seinen fruchtigen und suessen Geschmack. Normalerweise liegt sein Alkoholgehalt bei circa 20 Volumenprozent. Das Anbaugebiet, der Douro, liegt relativ noerdlich in Portugal und reicht bis an die spanische Grenze. Bei den Rebsorten greifen die portugiesischen Winzer gerne auf ihre autochthonen Rebsorten zurueck. Es wird gesagt, Portugal habe die groesste Sortenvielfalt der Welt, angeblich sollen es rund 500 sein. Fuer die Portweine werden ueberwiegend Touriga Nacional, Tinta Roriz, Tinta Barroca, Tinto cao, Touriga francesa verwendet. In alten Rebbestaenden findet man noch teilweise zwanzig und dreissig verschiedenen Rebsorten durcheinander stehen. Eine Besonderheit des Portweines ist die Vielfaeltigkeit. Es gibt: White Port: Die weisse Variante ist weniger bekannt. Meist handelt es sich um einfache Qualtitaeten. Hochwertigere weisse Ports koennen ueber einen sehr eleganten Stil verfuegen und zeichnen sich durch einen nussigen Geschmack aus. Im Alkoholgehalt liegen sie meist unter dem der Roten. Ruby: Roter Port, der sehr fruchtig, vollmundig und suess schmeckt. Kommt meist nach zwei bis drei Jahren Reife in den Verkauf. Hat in aller Regel keinen Holzfassausbau und ist preislich sehr erschwinglich. Tawny: Reift in Holzfaessern und nimmt durch den Luftkontakt eine hellere Farbe an, und der Geschmack ist nicht mehr so intensiv suess. Kommt meist nach drei Jahren in den Verkauf und ist nur unwesentlich teurer als ein Ruby-Port. Late- Bottled Vintage: Portwein aus einem einzigen Jahrgang gewonnen. Im Gegensatz zum Vintage Port reift er etwa fuenf Jahre im Holzfass. Durch die Fassreife altert der Portwein schneller, ist heller in der Farbe und schon frueher trinkreif. Vintage Port: Die Weine stammen aus einem einzigen Jahrgang und bei den guten Winzern werden sie nur in sehr guten Jahren hergestellt. Er wird nach zwei Jahren in die Flaschen abgefuellt und reift dort sehr langsam. Nach zwanzig Jahren Reife beginnen sie so richtig Spass zu machen. Colheita Port: Ist ebenfalls wie ein Vintage Port nur aus einem Jahrgang. Voraussetzung fuer ein Colheita Port ist, dass er mindestens sieben Jahre im Holzfass reift. Manchmal jedoch kommen die Colheita erst nach zwanzig, dreissig oder gar fuenfzig Jahren auf den Markt. Waehrend die Vintage Portweine vor allem sehr fruchtig schmecken, zeichnen sich die Colheita durch einen wuerzigeren und gereifteren Geschmack aus. Wenn Sie jetzt noch wissen moechten, zu welcher Gelegenheit die Portweine am besten schmecken, hier einige Vorschlaege: - Herrlich als Aperitif, vor allem im Winter - idealer Begleiter zur Gaenseleber - himmlisch mit Blauschimmelkaese - ein Erlebnis zum Schokoladendessert Tipp: Aus den Filmen kennt man, dass die Portweine meist in Karaffen serviert werden. Generell bietet sich das an, weil die Weine mit dem Luftkontakt gut zurecht kommen und nicht zu schnell umkippen. Vintage Port sollten Sie unbedingt dekantieren, da sich im Laufe der Jahre ein Depot absetzt. Am besten geben Sie den Vintage Port vorsichtig ueber der Kerze in eine Karaffe. Im Flaschenhals koennen Sie dann sehen, wann die Truebstoffe kommen. Als Glaeser eignen sich am besten Suedweinglaeser, sie haben einen kleineren Stil mit einem Kelch obenauf. Normalerweise schenkt man 5 cl in das Glas ein. Viel Vergnuegen! http://www.swr-online.de/kaffee-oder-tee/tipps-tricks/weinecke/archi v/2001/01/18/index.html :Stichwort : Info :Stichwort : Portwein :Erfasser : Christina Philipp :Erfasst am : 22.03.2001 :Letzte Aender. : 22.03.2001 :Quelle : Kaffee oder Tee, :Quelle : SWR 18.01.2001 MMMMM MMMMM----- 'Kalorio V1.24' (reg.) nach Meal-Master Title: Reife Weine (Info) Categories: Information, Drinks Servings: 1 Text 1 Info MMMMM------------------------QUELLE------------------------------- - Kaffee oder Tee, - SWR 26.07.2001 - Erfasst von Christina Phil Reife Weine - wann ist der ideale Zeitpunkt zum trinken? Vor einigen Jahren hatte ich einen sehr netten Weinliebhaber kennengelernt. Er wohnte in der Nachbarschaft und so hatten wir oefters den Genuss bei ihm eingeladen zu werden. Stolz praesentierte er mir seine gesammelten Bouteillen, hauptsaechlich badische Weine und ich dachte bei mir, einige sollten schon getrunken sein. Als wenn ich’s geahnt haette, kredenzte er uns einen sechs Jahre alten Mueller-Thurgau... wahrlich kein Genuss mehr! Wie sich bei Wiederholungsbesuchen rausstellte, trinkt Herr Gutenmorgen immer die Weine, welche "getrunken werden" muessen. Bis er soweit ist, alle reifen Weine getrunken zu haben, sind die neueren Weine bereits im gleichen Stadium. Also im Ernst, beim Einrichten eines Weinkellers sollte man darauf achten: frische lebendige Weissweine muessen jung getrunken werden. Weine mit einer kraeftigen Saeure, Suesse oder Konzentration (Riesling, Auslese, Grauburgunder im Barrique gereift, Puligny-Montrachet) halten sich mehere Jahre gut. Bei Rotweinen gilt gleiches: leichte fruchtige Tropfen sollten in den ersten fuenf Jahren getrunken werden. Der Wetterverlauf des Jahrgangs hat den groessten Einfluss auf die Langlebigkeit der Weine. So kann man sagen, Weine aus nicht so guten Jahrgaengen sind schon jung gut zu trinken und sollten auch nicht so lang gelagert werden. Das gilt fuer alle Weinbauregionen. Weine hingegen aus grossen Jahrgaengen wie 1982 oder 1990 haben ein grosses Lagerungspotenial vor sich und bereiten Ihnen nach zwanzig, dreissig oder mehr Jahren hoechste Genuesse. Leider ist es mit grossen und kleinen Jahrgaengen von Region zu Region absolut unterschiedlich. Waehrend beispielsweise 1992 in Bordeaux als kein so guter Jahrgang galt, ist er fuer rote Burgunderweine ganz ordentlich und fuer weisse Burgunderweine einer der besten Jahrgaenge in den letzten zwanzig Jahren. Um sich mit den verschiedenen Jahrgaengen so zu befassen, braucht es natuerlich viel Zeit und am sinnvollsten ist es sicherlich, wenn Sie sich eine Jahrgangstabelle einstecken, eine Weinzeitung oder ein Weinbuch zum nachschlagen benuetzen oder einfach einen Sommelier fragen. Seit vielen Jahren schaetze ich reife Weine besonders; es fasziniert mich, wie schnell sich die Weine nach dem Oeffnen entwickeln. Beim Einschenken des ersten Schluckes hat man in der Regel noch feine Fruchtaromen von Kirschen, Cassis, Himbeeren, und so weiter. Je mehr Luft aber der Wein bekommt, umso mehr kann er sich entfalten (bei Sauerstoffkontakt tritt eine Oxidation ein =Reifung), das bedeutet es mischen sich Aromen von Fleisch, Leder, Waldpilzen, und aehnlichem mit unter. Die schnellen Veraenderungen des Weines loesen fuer mich eine Empfindung aus, als wenn ich ein Buch lese. Aber Vorsicht: alte Weine nicht zu frueh oeffnen, sonst kann es passieren, dass sie zu schnell zusammenfallen, braun wie Cola werden und ungeniessbar, ja nicht einmal mehr zum Verkochen geeignet sind. Rieslinge mit sehr kraeftiger Saeure hat man frueher im Rheingau oder an der Mosel entweder mit Restsuesse getrunken (Suesse puffert die Saeue, das heisst, die Weine werden rund und bekoemmlich) oder erst einmal zehn Jahre liegen lassen. Die Besonderheit der Rieslinge ist, dass sie sich ueber viele Jahre frisch halten und in der Regel nach acht bis zehn Jahren eine Edelfirn bekommen. Die Farbe veraendert sich zu einem satten gold-gelb, und in der Nase erinnert der Wein an Petrol. Ja, Sie haben richtig gelesen, es riecht dann wie an einer Tankstelle und Weinkenner lieben das! Ausser der Reife sind Schieferboeden - bestens geeignet fuer Rieslinge - verantwortlich fuer das Mineralische und Petrolige im Wein. Wenn Sie Ihr Weg am Rheingau oder Mosel-Saar-Ruwer vorbeifuehrt, probieren Sie einen zwanzig oder dreissig Jahre alten Riesling, Sie werden ueberrascht sein. http://www.swr-online.de/kaffee-oder-tee/tipps-tricks/weinecke/archi v/2001/07/26/index.html :Stichwort : Info :Stichwort : Wein :Erfasser : Christina Philipp :Erfasst am : 26.07.2001 :Letzte Aender. : 26.07.2001 :Quelle : Kaffee oder Tee, :Quelle : SWR 26.07.2001 MMMMM MMMMM----- 'Kalorio V1.24' (reg.) nach Meal-Master Title: Weinauszeichnungen (Info) Categories: Information, Drinks Servings: 1 Text 1 Info MMMMM------------------------QUELLE------------------------------- - Kaffee oder Tee, - SWR 15.03.2001 - Erfasst von Christina Phil "Lametta" nennen das Kritiker spoettisch: Medaillen, Streifen, Preismuenzen in allerlei edelmetallfarben auf dem Flaschenhals oder sonstwo. Staunend liest der Weinfreund da: "Bronzene Kammerpreismuenze" oder "Grosser Preis der DLG" oder auch "Medaille d’or Macon"... mal ganz abgesehen von dem was zwar nicht auf den Flaschen wohl aber in Prospekten und Anhaengern stehen darf. Gesetzlich geregelt! In Deutschland ist klar vorgeschrieben, dass nur eine einzige Art von Auszeichnung auf die Flasche darf: das sind die Ergebnisse der regionalen Weinpraemierungen und der Bundesweinpraemierung. Amtlich geprueft! Da sind auf der ersten Stufe die regionalen Praemierungen. In Baden-Wuerttemberg, Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt organisieren das die Weinbauverbaende, in Hessen das fuer die Weinwirtschaft zustaendige Ministerium und in Rheinland-Pfalz die Landwirtschaftskammer. Wer da durchkommt, der kann bei der Bundespraemierung mitmachen. Diese nationalen Wettbewerbe richtet einmal im Jahr die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e.V. (DLG) aus. Bei den DLG-Praemierungen werden Bronzene, Silberne und Goldene (ehemals: Grosse) DLG-Preise verliehen. Nur etwa 1,5 % der praemierten Weine und Sekte erreichen den Goldenen Preis Extra. Das ist die qualitative Spitze im Bundeswettbewerb. Das Pruefverfahren ist fuer alle Guetezeichen und Praemierungen auf Gebiets- und Bundesebene gleich. Es wird ausnahmslos "anonym" verkostet, das heisst die Pruefer kennen nur die fuer die Weinbeurteilung massgeblichen Angaben, aber keinesfalls den jeweiligen Erzeuger oder Abfueller. Sie bewerten die einzelnen Komponenten jedes geprueften Weines nach dem DLG-Pruefschema mit Noten zwischen 0 und 5: Geruch, Geschmack und Harmonie, das Zusammenspiel aller riech- und schmeckbaren Komponenten. Aus diesen Einzelbewertungen ergibt sich wie in einem Mosaik das Gesamtbild des Weines. Die einzelnen Weine werden immer von mehreren Pruefern bewertet. Erst die Zusammenfassung dieser Urteile entscheidet ueber die Zuerkennung einer Auszeichnung, ueber die Art des Preises. Kritik: wirklich schlechte Weine sind bei den so praemierten sicherlich nicht dabei, aber auch nicht alle guten. Das liegt zum einen an der Pruefung selbst: die Pruefer neigen zu einer Art Durchschnittsgeschmack. Und sie unterliegen der Macht der Gewohnheit. Lange gab es z.B. nur schlechte Noten fuer barrique- oder gerbstoffgepraegte Rotweine obwohl gerade die international am besten ankamen. Ausserdem schneiden liebliche Weine immer noch tendenziell besser ab als trockne. Dass nicht alle guten Weine offiziell praemiert werden, liegt aber auch daran, dass viele Winzer einfach nicht teilnehmen an diesen Wettbewerben. Zweiter Vorwurf: diese Preise sind inflationaer! Tatsaechlich erhalten viele Weine, die zur Praemierung gemeldet werden auch einen Preis. Tatsaechlich melden die Winzer aber wohl auch nur die besseren Weine, denn nur etwa 15% nehmen an einer Praemierung im Gebiet teil, 2% im Bund. Und es gibt oft mehr goldene als bronzene, was dem allgemeinen Menschenverstand widerspricht. Zu tun hat das aber mit der Punktbewertung. In einem guten Weinjahr faellt viel Gold vom Himmel. Internationale Auszeichnungen sind in Deutschland eigentlich nicht zulaessig, finden sich aber immer wieder auch auf Flaschen aus dem Ausland. In der Regel haben sie eine Medaillenform und eine Aufschrift, die klaert, um was es geht. Beispiele fuer groessere internationale Wettbewerbe: Concours mondial du vin (Bruessel), World Wine Championship in Chicago, International Wine Challenge in London, Challenge international du vin (Bordeaux). Daneben gibt es aber dutzende von lokalen und regionalen Veranstaltungen, meist Weinmessen, bei denen ein wie auch immer geartetes Gremium eine Auslese veranstaltet. Man kann davon ausgehen, dass eine Auszeichnung nie an die schlechtesten Weine geht, aber sollte sie auch nicht ueberbewerten. Oft werden soviele verschiedenen Untergruppen gemacht, dass fuer jeden zweiten Wein ein Preis abfaellt. http://www.swr-online.de/kaffee-oder-tee/tipps-tricks/weinecke/archi v/2001/03/15/index.html :Stichwort : Info :Stichwort : Wein :Erfasser : Christina Philipp :Erfasst am : 23.03.2001 :Letzte Aender. : 23.03.2001 :Quelle : Kaffee oder Tee, :Quelle : SWR 15.03.2001 MMMMM MMMMM----- 'Kalorio V1.24' (reg.) nach Meal-Master Title: Weine aus Spanien (Info) Categories: Information, Drinks, Europa Servings: 1 Text 1 Info MMMMM------------------------QUELLE------------------------------- - Kaffee oder Tee, - SWR 15.02.2001 - Erfasst von Christina Phil Spanien ist das Land mit der groessten Rebflaeche der Welt. Fast 14 mal soviele Weinberge gibt es dort, wie in Deutschland. Aber Spanien ist auch eines der heissesten und trockensten Weinbaulaender. Deshalb liegen die Ertraege dort sehr niedrig. Es waechst nur drei- bis viermal soviel Wein wie bei uns. Schon zu Zeiten der Roemer gab es in Spanien den Weinbau. Die Mauren im Mittelalter rotteten ihn trotz ihrer religioesen Vorbehalte gegen Alkohol nicht aus und bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde - wie fast ueberall in Europa - viel und viel schlechter Wein erzeugt. Vielleicht mit Ausnahme von Sherry - aber mit dem beschaeftigen wir uns in einer eigenen Weinecke. Eine deutliche Wende brachte die Reblaus. Und zwar zuerst ihr Auftauchen in Frankreich. Sie zerstoerte die Weinberge im Bordeaux-Gebiet und Winzer und Haendler von dort suchten nach Ersatz. Dabei kamen sie ueber die Pyrenaeen. Dort war die Reblaus noch nicht. Navarra - vor allem aber Rioja - zwei Nordspanische Regionen profitierten davon. Franzoesische Nobelrebsorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot und auch der Ausbau im neuen Holzfass (Barrique) kamen so nach Spanien. Als die Reblaus nach Spanien vordrang war das Gegenmittel schon gefunden (man pfropft heute noch europaeische Edelreisser auf amerikanische Wurzelstoecke, denen kann sie nichts anhaben). Eineige Regionen wurden so frueh zu Qualitaetsgebieten, das Gros aber lieferte bis weit ins 20. Jahrhundert ueberwiegend Massenweine, oft genug zum Verschnitt mit schwachbruestigen franzoesischen oder auch deutschen Tropfen. Erst in den letzten 20 Jahren ist Spanien wirklich erwacht und rollt seitdem den Weinmarkt systematisch mit guten Qualitaeten auf. Rebsorten: Keine Rebsorte der Welt steht in mehr Weinbergen als die weisse Airèn. Sie ist allerdings nur der Stoff aus dem billige Weissweine und die vielen Weinbraende des Landes sind. Weisse Qalitaetsreben wie die Albarino in Galicien oder Verdejo in Rueda sind in Deutschland weniger bekannt. Neben den internationalen Sorten spielt bei den roten der Tempranillo die erste Geige. Die Qualitaetsrebe schlechthin. Garnacha (die franzoesische Grenache) und Monastrell (Mourvedre) ergaenzen sie im Norden. Rioja duerfte wohl die bekannteste der Weinbauregionen Spaniens sein. Viel vom edlen Tempranillo, relativ hohe Lage, und damit nicht allzu grosse Hitze und das Know-How der Franzosen haben da sehr geholfen. Eine besondere Rolle spielte lange eine einzelne Bodega (Kellerei): Vega Sicilia - einsamer Qualitaetsposten am Duero. Dort wurde der lange Zeit renommierteste Rote Spaniens erzeugt: der Unico. Heute ist drum herum ein ganzes Weinbaugebiet namens Ribera del Duero entstanden. Und auch das hat schon Konkurrenz an der Qualitaetsspitze bekommen durch Gebiete weiter im Osten direkt im Hinterland des Mittelmeeres: Priorato etwa oder auch Pénédès sind aufstrebend. Dort machen ambitionierte Weinmacher mit viel Geld Spitzenrote, die sich im weltweiten Vergleich sehen lassen koennen. Das Rezept: die richtige Mischung von Weine verschiedener Hoehenlagen, von internationalen und einheimischen Sorten und modernster Ausbau. Interessant auch das Toro, Somontano oder Bierzo. Die groessten Regionen sind allerdings die heissen zentralspanischen Massen-Gebiete Mancha, Jumilla und Utiel-Requena. Dabei hat Spanien eigentlich eine ganz eigene Ausbautradition: es war und ist oft noch heute ueblich, Weine erst wenn sie trinkfertig sind -also nach Jahren im Fass und auf der Flasche - auf den Markt zu bringen (sehr schoen fuer die Verbraucher, sehr teuer fuer die Kellereien.) Das lange Fasslager verleiht den Weinen oft auch einen typischen starken Vanilleton und eine leicht suessliche Note. Spaniens Weinbau kennt nicht das Deutsche System von vielen kleinen Winzern. Die typische Struktur: Traubenerzeuger liefern direkt an Genossenschaft oder Kellereien. Die vermarkten wenige Weine in grossen Mengen unter Markennamen oder bestenfalls dem Gebietsnamen. Das klassische Qualitaetssystem kennt neben den Tafelweinen die Kategorien "Crianza" (fertig ausgebauter Wein) Reserva (Wein aus besseren Jahren mit laengerer Ausbauzeit) und "Gran Reserva" (noch eines drauf!). Dafuer gibt es klare Vorschriften. Aber die Qualitaet steigt nicht immer mit dem Begriff. Eine Gran Reserva aus einem nicht ganz so spitzenmaessigen Jahr kann leicht schon gealtert und ausgezehrt wirken. In neuerer Zeit kommen auch aus den Qualitaetsregionen Weine aus langen Fassausbau: Vino joven (junger Wein) genannt. Das sind sehr moderne, fruchtige Tropfen oft mit viel Geschmack fuers Geld. Womit wir bei den Tips waeren: Ribera del Duero und Rioja bieten das groesste Renommee aber auch die hoechsten Preise. Bei Rioja stellt sich zunehmend das Problem, dass wegen des guten Absatzes auch die letzten Faesser ausgekratzt werden. Besser ausweichen auf Navarra. (Kann aber wieder besser werden, denn 2000 war eine reiche Ernte). Bei den Massen-Regionen die immer haeufiger auch mit scheinbar hochwertigen Qualitaeten (Gran Reserva) in Supermaerkten auftauchen: Achtung! Nicht immer ein heisser Tip. Lieber erstmal eine Flasche probieren, ehe man sich den Keller vollegt. Kann gut sein, kann aber auch ein hohler, alter Wein sein. Wer internationale Sorten und Neuwelt-Weine mag: immer wieder mal Spanien ausprobieren. Da gibt es vergleichbares oft guenstiger als in Australien oder Kalifornien. Spanien hat Top-Weissweine. Aber Deutschland auch. Galizische Kult-Tropfen sind teuer und vom Typ her gerade den deutschen durchaus aehnlich. http://www.swr-online.de/kaffee-oder-tee/tipps-tricks/weinecke/archi v/2001/02/15/index.html :Stichwort : Info :Stichwort : Wein :Stichwort : Spanien :Erfasser : Christina Philipp :Erfasst am : 22.03.2001 :Letzte Aender. : 22.03.2001 :Quelle : Kaffee oder Tee, :Quelle : SWR 15.02.2001 MMMMM MMMMM----- 'Kalorio V1.24' (reg.) nach Meal-Master Title: Winzergenossenschaften (Info) Categories: Information, Drinks Servings: 1 Text 1 Info MMMMM------------------------QUELLE------------------------------- - Kaffee oder Tee, - SWR 29.03.2001 - Erfasst von Christina Phil Was ein Winzer ist, weiss jeder Verbraucher - aber fast jeder dritte deutsche Wein stammt nicht vom Winzer, sondern aus einer Winzergenossenschaft. Diese Form Weinbau zu betreiben ist sehr ungleich verteilt in der EU: Italien hat z.B. 50% Genossenschaftsanteil. Das franzoesische Bordelais nur 15%. Was Winzer zu Genossen werden liess. Die Winzergenossenschaften sind Kinder der Krise. Reblaus und amerikanische Pilzkrankheiten Ende des 19.Jahrhunderts brachten Winzer in Existenznot. Vor allem im ohnehin kleinraeumigen Suedwesten. Dort wo Realteilung vorherrschte, also das Land unter den Kindern aufgeteilt wurde, wurden die Bauern- und Winzerhoefe immer kleiner. Sie boten keine Existenzgrundlage mehr. Die Menschen suchten sich Arbeitsplaetze in der boomenden Industrie, aber sie haben oft ihr Land behalten. Den Traubenanbau konnten sie nebenbei betreiben, nicht aber die Weinherstellung. Dazu war die Technik zu teuer und das erforderte auch Know-How, das diese Nebenerwerbswinzer nicht mehr besassen. Der Zusammenschluss in Winzergenossenschaften nach der Idee Friedrich-Wilhelm Raiffeisens war der Ausweg. Die erste entstand 1881 in Hagnau am Bodensee. Warum es nicht ueberall Genossenschaften gibt: die sind naemlich sehr ungleich verteilt ueber die Republik. Waehrend in Baden 85% der Produktion aus Genossenschaften stammen, sind es in Rheinhessen weit weniger als 10%. In vielen rheinland-pfaelzischen Gebieten waren die Bauernhoefe groesser, die Weine waren auch begehrter in der ersten Haelfte des 20. Jahrhunderts. Ausserdem haben sich zahlreiche private Handels-Kellereien um die Vermarktung der Produkte gekuemmert. Deshalb sind dort die Genossenschaften weniger stark verankert. Mehrere Anlaeufe sie zu etablieren, um mehr Ruhe in den hektischen Herbst-Markt mit Most zu bringen, sind gescheitert. Die Winzer haben in der Regel den kurzfristigen Erfolg am freien Markt einer langfristigen Bindung vorgezogen. Der Vorteil der Genossenschaften: sie sichern ihren angeschlossenen Winzern Mitbestimmung. Wer an Kellereien abliefert, der hat nichts mehr zu melden. Allerdings sind die Geschaeftsfuehrer von Winzergenossenschaften auch schon mal von ihren Mitgliedern in den wirtschaftlichen Unsinn getrieben worden. Am Markt vorbei kann keiner! (Ein Dilemma der Genossen: "ein Mann, eine Stimme" heisst ihr Grundsatz - das gilt ganz unabhaengig von der Groesse der Flaeche, die einer einbringt. Und dadurch koennen die "Kleinen" auch gegen die Interessen der "Grossen" entscheiden - das ist sehr demokratisch, aber auch wirtschaftlich nicht ohne Gefahren). Um am Markt besser bestehen zu koennen und auch gegenueber dem starken Lebensmittelhandel ein Partner sein zu koennen, haben sich die Orts-Genossenschaften in vielen Regionen noch einmal zusammengeschlossen zu "Gebietswinzergenossenschaften". Warum man immer weniger von Genossenschaften liest. Mit der Wiedervereinigung spaetestens war der "Genosse" nicht mehr sehr populaer. Der Ruch des Sozialismus hat das Wort auch von den Etiketten vertrieben. Neue Bezeichnungen ueberall: "Badischer Winzerkeller", "Moselland" (uebrigens auch im Ausland: "Vignerons de Val d’Orbieu" ist eine riesige Genossenschaft.) Wie gut sind die Weine der Winzergenossenschaften? So gut wie die der Winzer - ganz grob kann man vielleicht sagen: die schlechtesten Winzer sind schlechter als Winzergenossenschaften, die besten Winzer sind besser. Die Genossen tendieren zur Mitte. Grundsaetzlich ist das, was ihre Fachleute im Keller machen aber um Laengen besser, als was die angeschlossenen Traubenlieferanten zuhause machen koennten. Immerhin gibt es in der Regel fuer jeden Bereich einen Spezialisten, waehrend der Winzer alles alleine machen muss. Und die besseren Genossenschaften haben gute Leute, die den Mitgliedern klarmachen, wie Qualitaet erzeugt wird - schon vom Weinberg an. Blindtests zeigen: die Genossenschaftsweine sind absolut konkurrenzfaehig. Es gibt in jedem Gebiet welche, die auch bei sehr subjektiven und elitaeren Einordnungen vorne mitmischen. Und um am Ball zu bleiben, haben einige der renommierteren einen eigenen Verein aufgemacht, die Vereinigung der Deutschen Praedikatswinzergenossenschaften (dpw). Der gehoeren derzeit 11 Keller an. Nicht ganz zufaellig die Namensaehnlichkeit mit dem vdp, dem Verband der Praedikatsweingueter. http://www.swr-online.de/kaffee-oder-tee/tipps-tricks/weinecke/archi v/2001/03/29/index.html :Stichwort : Info :Stichwort : Wein :Erfasser : Christina Philipp :Erfasst am : 29.03.2001 :Letzte Aender. : 29.03.2001 :Quelle : Kaffee oder Tee, :Quelle : SWR 29.03.2001 MMMMM MMMMM----- 'Kalorio V1.24' (reg.) nach Meal-Master Title: Zwischen Lese und Abfuellung - was im Keller passiert (Info) Categories: Information, Drinks Servings: 1 Text 1 Info MMMMM------------------------QUELLE------------------------------- - Kaffee oder Tee, - SWR 01.02.2001 - Erfasst von Christina Phil Wenn der Wein Wein geworden ist, wenn die Gaerung abgeschlossen ist, dann ist er laengst nicht fertig. Er hat zwar schon Alkohol wie ein grosser, aber vieles andere fehlt ihm noch. Zunaechst muss er klar werden. Das macht er - wenn man ihn laesst - ganz alleine. Die abgestorbene Hefe sinkt im Fass oder Tank nach unten. Sie bildet ein Hefelager - sagen wir’s mit einfachen Worten: ein weisser, schlammiger Satz. Der Winzer nutzt diesen Prozess: Der Wein darueber wird abgezogen, in ein anderes Fass umgelagert, der Heferest gibt vielleicht noch einen schoenen Hefebrand. Diesen Vorgang nennt man Abstich. In der Regel wird das ganze sogar wiederholt. Mit dem ersten Abstich wartet der Winzer unterschiedlich lang. Die Hefe kann naemlich dem Wein ganz bestimmte Geschmacksnoten hinzufuegen - er wird voller und weicher. Extreme Exemplare tragen dann auch auf dem Etikett spaeter den Zusatz "sur lie" - also: auf der Hefe. Allerdings haben die Winzer schon immer nach dem natuerlichen Absetzen noch eine Filtration angehaengt. Frueher mit Sieben oder Tuechern. Um ihn moeglichst blank und sauber zu machen. Sie wussten bereits: je klarer, desto stabiler ist der Wein. Chemisch und biologisch. Er "kippt nicht mehr um". Die Filtermethoden sind immer besser geworden im Laufe der Zeit - und heute wird oft nur noch gefiltert. In einem Arbeitsschritt vom Gaertrueben zum fuellfertigen Wein. Allerdings sind solche Brachial-Methoden nicht unumstritten. Weinpapst Robert Parker zum Beispiel wettert, das sei eine "Misshandlung", die den Charakter des Weins zerstoert. Beim Abstich wird der Wein auch geschwefelt. Schwefel sorgt dafuer, dass die Keime im Zaum gehalten werden. Dass der Wein nicht anfaengt mikrobiell zu leben. Durch Essigbakterien z.B. koennte er verderben.. Es gibt Genzwerte fuer Schwefel im Wein, die in der Praxis meist noch deutlich unterschritten werden. Die Ansicht, dass dieser Schwefel zu Kopfweh bei den Weintrinkern fuehrt, die ist weitgehend wiederlegt. Der Wein wird an diesem Punkt auch "geschoent". Die Schoenung soll Schwermetalle oder auch Eiweiss herauswaschen. Kupfer wird ja immer noch als Spritzmittel im Weinbau eingesetzt. Geraetschaften aus Metall hinterlassen ihre Spuren, das muss wieder raus. Genauso wie harte Tannine. Huehnereiweiss - bei wertvollen Rotweinen - oder Gelatine werden da eingesetzt, meist aber chemisches Blutlaugensalz (Blauschoenung). Traubeneiweiss, das den Wein spaeter trueben und zu Schlieren fuehren koennte, wird durch Bentonit - ein Tonmineral - herausgefiltert. Vor allem aber hat der Wein zwischen den Abstichen auch Zeit. Die braucht er, um zu sich zu finden. Wichtigster Vorgang ist dabei die Veresterung: Saeuren und Alkohol gehen Verbindungen ein. Viele davon praegen das Aroma. Je feiner der Wein und je laenger er haltbar bleiben soll, desto wichtiger ist die Ruhe und die Zeit beim Ausbau. http://www.swr-online.de/kaffee-oder-tee/tipps-tricks/weinecke/archi v/2001/02/01/index.html :Stichwort : Info :Stichwort : Wein :Erfasser : Christina Philipp :Erfasst am : 23.03.2001 :Letzte Aender. : 23.03.2001 :Quelle : Kaffee oder Tee, :Quelle : SWR 01.02.2001 MMMMM -- Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passen auch heute noch. George Bernard Shaw