Subject: Re: Realname vs Pseudonym - Eine längere Stellungnahme (II.) Date: Tue, 08 Feb 2000 19:49:47 +0100 From: knorko-mat To: Erik Meltzer Hallo Erik ich habe mich aus der NG verabschiedet; da Du Dir aber die Zeit genommen und die Mühe gemacht hast, doch noch einmal so ausführlich und sachlich zu antworten, mach ich's halt auch nochmal. Aber privatim. Du, offenbar Regular im dsnu, wirst die Erkenntnisse und evtl. Meinungsverfeinerungen, die Dir aus diesem Mailwechsel mit mir entstehen mögen, dann ja, auf Deine Weise, im Weiteren unterbringen: und mehr, als ich bei Dir erreiche, werde ich hochwahrscheinlich auch bei keinem der übrigen Diskussionsteilnehmer erreichen. (1 und 3 > => von Erik; 0 und 2 > => von Knorko-mat) Erik Meltzer schrieb: > knorko-mat wrote: > > Erik Meltzer schrieb: > Ob das nun absichtlich, versehentlich, wegen Unwissenheit > oder unbrauchbarer Software passiert, ist aber auch völlig > schnurz -- es ist unlesbar, also wird's nicht gelesen. Also, mal ganz klar: "unlesbar" war's nicht! > > ... und machte aus der Übertragung "ungenügende Form => schwachsinniger Inhalt" auch gar keinen Hehl. > ... Ungenügende Form => Mangel an Motivation, sich mit dem Inhalt näher zu befassen. Das trifft's wohl eher. Trifft's genausowenig! > > Aber was NACH der Stelle, an der Du das Zitat jetzt abgebrochen hast, > > kam: Zeigt das nicht, dass ich da keinesweg etwas "einfach weggefegt" > > habe, sondern ein _anderes_ Gut gegen diese Idiotentätigkeit abgewogen > > habe und so zur Inkaufnahme derselben gelangt bin? > Das mag schon sein, aber Dein Abfertigen des Arguments > mit "ach was soll's" war das, was ich kritisiere. Dieses "Aber was soll's!" sollte eher als Vorbereitung des Folgenden denn als "wegfegendes" Resumée gemeint sein. Wenn's wirklich "Ach was soll's!" geheißen hätte, hätest Du wohl recht... > Und mit Deinen folgenden Argumenten hab ich mich im Folgenden ja auch befaßt. > > > ... daß ein paar Schläger vom örtlichen Opel-Fanclub [...] > > Also ist es wohl DOCH ziemlich leicht möglich, jemanden anhand seiner > > Email-Adresse _physisch_ zu lokalisieren???!! > Das hat erstens nichts mit dem zu tun, was ich da schrieb > (es ging um Realnamen, nicht um E-Mail-Adressen) 'Tschulljunk! Ich dachte, es ginge um "Realname" als Bestandteil der E-Mail-Adresse. Ich bin jetzt, offen gestanden, etwas irritiert. Vielleicht diskutieren wir hier aneinander vorbei: Ist denn die ganze "Realnamen"-Geschichte nicht auf's engste mit dem Thema "Vermeidung unerwünschter physischer Auffindung" verbunden? > und zweitens steht da deutlich [zumindest in seinem Hirn]. "zumindest"! Deine eigenen weiteren Ausführungen legen nahe, dass es wohl *doch* nicht *auschließlich* in seinem Hirn sei. > > Das wäre allerdings ein > > *fetter* Grund, diese Möglichkeit mit wirklich ALLEN Mitteln abzustellen > > (also weit über die hier diskutierte Allonymie hinaus!). > Die Verwendung eines wirklich anonymen Remailers steht Dir frei. Ja, und eben gegen diese "Freiheit" polemisiere ich! Jeder, der die allernormalste, allerverständlichste Sache der Welt will: Dieses Medium "Net" in seinen vollen (und bis dato einzigartigen!) Möglichkeiten nutzen, muss irgendwelche Extrafaxen anstellen, wie z.B. diesen Remailer-Quack! Ich bin wütend darüber, dass das Remailing nicht der *unmarkierte* Fall ist, will sagen dass, wer *nicht* remailt, eine abstrakte "Begründungspflicht" habe! Ich wünschte, das unautorisierte Auffinden persönlicher Details würde noch viel stärker als *Angriff* gewertet und verfolgt! Von unerwünschten physischen Kontakten ganz zu schweigen. > Es gibt halt Leute, die diese Art von Geheimniskrämerei nicht mögen ... Von "Geheimniskrämerei" wäre aber m.E. nur dann zu reden, wenn Desinformation planvoll betrieben wird zum Zwecke der Etablierung oder der Reproduktion eines MACHTverhältnisses. (Ich würde Dich doch nochmal bitten, Dir die Härte der Lektüre meiner ersten Lieferung anzutun. Kann man denn sowas nicht 'runterspeichern und dann zackzack umformatieren? Ich frag' ja bloß!) Davon kann aber im Net keine Rede sein. Und viele Teilnehmer, die sich zur "RNF" rechnen, machen nichts weiter als eine - erklärliche, gleichwohl untunliche und letzten Endes alles vermasselnde - *Übertragung* mit nachgeschalteter Katharsis: Sie sehen gewissermaßen im Net, in sozial-kommunikativer Hinsicht, eine "Fortsetzung des 'RL' mit anderen Mitteln" - aber mit *erweiterter informationeller Kompetenz*, und nicht nur Kompetenz, sondern auch *Berechtigung*; und diese (putative!!) Berechtigung wird mit Leichtigkeit in ein imaginäres *Recht* verwandelt, ein Recht, welches ihnen im "RL", welches wimmelt von *Strukturen informationeller Disparität* (vulgo "Macht") in welcher sie i.d.R. nur die Arschnasen sind, so bitterlich abgeht! Und jede Desinformation - die sie im "RL" zu schlucken dressiert worden sind - wird, im vermeintlich "vollen Recht", verklagt. Und beim Verklagen offensichtlich nicht "echter" Namen im Absender handelt es sich natürlich um einen Stellvertreterkrieg, denn eine etwa _im Text_ enthaltene Desinformation ist i.d.R. wesentlich schwieriger zu erkennen, z.B. weniger krass ausgeprägt als eben jene Allonyme, von denen allenthalben die Rede ist. Das gestehen die Allonymverkläger ja auch ohne Umschweife ein, wenn sie, ohne Einzelfallprüfung, ohne Belege, *aus Prinzip* erst einmal allen unter Allonym geposteten Beiträgen quasi die Beweislast aufbürden, alles mit dem Verweis auf Quatschtexte; aber: diese Quatschtexte beziehen ihr Quatschtext-Sein doch nicht aus der Tatsache , dass sie unter Allonym gepostet wurden. Und die wie auch immer signifikante Korrelation zwischen Quatschtext-Sein und Allonym-Absender beweist nichts als sich selbst. Eine ähnliche Korrelation ließe sich für "RN"-Adressen korr. Quatschtext aufmachen. Das ganze steht und fällt doch , und ich glaube, da kannst Du mir zustimmen, damit, WIE, GENAU, die Kriterien beschaffen sind, vor denen Postings "Schrott", "Indiskutabel" usw. werden! Und DAS diskutieren hieße die Welt diskutieren - und das tu ich gern, ist hier aber wohl doch eher OT, nich? > > ... ob es für diese (auch meine) Haltung in dieser Frage > > nicht doch vielleicht auch *wirklich gute, triftige* Gründe geben > > könnte... > Wenn es gute, triftige Gründe dafür gibt, dann mach es halt. > Aber beschwer Dich dann nicht darüber, daß man Dich u.U. > filtert ... Geschenkt! DArüber habe ich mich m.W. noch gar nicht beschwert. Wäre ja wohl auch ein bisschen albern; genauso albern, wie der Welt mitzuteilen, dass man jemanden filtert! Was interessiert mich denn, von wem alles ich NICHT gelesen werde? "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß". > > Was sind dann jetzt "Netzbekanntschaften" bitte? Sind das jetzt solche, > > denen ich auch physisch begegne? > Physisch, telefonisch, schneckenpostalisch... Also gut, sei's drum. Ich möchte aber dafür werben, dass ebendies ("Netzbekanntschaften") nicht Mittelpunkt und Hauptzweck des Net sei, sondern sagen wir Möglichkeiten zweiter Ordnung, Parerga halt; und dass weder die grundlegende Struktur noch das Netiquette-Design diese Nebensache zur Hauptsache werden lasse. > Und ja, ich nenne jemanden, der sich mir unter falschem Namen vorgestellt hat, einen Lügner. Irgendwie MUSS es doch zu schaffen sein, sich das Leben zur Hölle zu machen, wa? > > > ... und sich deren Vertrauen zu verscherzen. > > ... Vertrauen ist, wo wenn es einer *sagt*, > > isses weg, und pure Ideologie bleibt übrig. > Den (...) Satz kann ich nicht parsen. Entweder Du bist Linguist oder Programmierer - wo käme sonst das "parsen" her? (Neinnein, nicht sagen!) Was ist Zucker? "Zucker ist, wenn man vergisst, ihn in den Kaffee zu tun, dann schmeckt's nich." An dieser Art absurder Spaß-Definition habe ich mit meiner Vertrauen-Definition Maß genommen. Reiner Übermut (... die "jungen Pferde" halt :-) ). Ich wollte 'rüberbringen, dass mir das gesamte Konzept [Vertrauen] suspekt ist, will sagen ich halte es - und das besonders, wenn das Wort "Vertrauen" *ausgesprochen* wird - für ein Ideologiekonstrukt. > Aber wie gesagt: > ich würde jemandem, der sich mir mit falschem Namen > vorgestellt hat, so schnell nicht wieder vertrauen, wenn > ich das rauskriegte. > > > > 1. und 2. wirken nicht sonderlich attraktiv, 3. verspricht > > > weniger Leserschaft als erhofft. 4. erscheint so > > > unverhofft attraktiv. Ziel erreicht. > > Wessen Ziel? (...) > Na das der RNF, mit dem Realnamensgebot die Troll- und Elchdichte zu senken und/oder die verbleibenden deutlich filterbar zu kennzeichnen. Mein lieber Mann, Deine Wortwahl, Deine Wortwahl! Geh' in Dich! Lass ab!! > > > Will sagen: wer die (geringe) Gefahr, die davon ausgeht, > > > daß man über D-Info seinen Wohnort bestimmen kann, nicht > > > erträgt, der ist sich meist dessen bewußt, daß das, was > > > er postet, Leute zu Racheakten hinreißen könnte. > > Als erwachsener Mensch weiß ich, dass prinzipiell ALLES, WAS-AUCH-IMMER, > > ANYTHING, N'IMPORTE-QUOI, was ich irgendwie öffentlich äußere, jemandem > > - aus welcher Ursache oder mit welcher Begründung auch immer - so stark > > missfallen kann, dass er/sie den geistigen-verbalen Ideenrahmen verlässt > > und mich anderwie angreifen will. Diese Problem ist nicht aus der Welt > > zu schaffen, wenigstens einstweilen nicht. Bist Du, wie ich, der > > Meinung, solches Verhalten sei *in jedem Fall und unter allen Umständen > > absolut _abzulehnen_*? > Welches Verhalten, das Angreifen? Natürlich. Ich halte aber > auch diese Gefahr für dramatisch überbewertet. Selbst in > RL-Konflikten sind mir persönliche Angriffe ... Was waren jetzt "persönlich Angriffe"? Beleidigungen? Hooligans zu Hause? Virus gepostet? GeStaPo? > meist ... also DOCH schon mal sowas erlebt? > ... erspart geblieben -- ich denke nicht, daß irgendwas dessen, was ich im Usenet so von mir gebe, geeignet ist, jemanden auf die Idee zu bringen, mich attackieren zu wollen. Mögest Du da richtig denken! > Und ich denke auch, daß das für 99 % aller Newsgroups zutrifft > -- Trolle und Elche ... Bitte gewöhnt Euch diese infantile Benamsung Euch unliebsamer Zeitgenossen schleunigst ab. "Idioten", "Scheißebauer", "Obsessive" - alles zwar schon schlimm genug, aber wenigstens lässt es einen Weg ins Menschliche offen! > ...leben da natürlich gefährlicher... :-) > > > D.h., er wird sich aller Voraussicht nach auch an die übrigen Regeln der Netiquette nicht halten wollen. Der Schelm sitzt im Detail - wie immer! Hier in der Verwendung des Wortes "übrigen". Also bitte: An *welche* "Regel der Netiquette" hat unser fiktiver "er" sich denn hier bereits nicht gehalten?? An die Regel "nix posten, was vielleicht irgendwen zu Racheakten hinreißen könnte"??? Dazu hatte ich ja bereits mein Sprüchlein gesagt. Und Deine Antwort, siehe nächstes E.M.-Zitat, ist für mich bestürzend! > > Ich bin mir, mit Verlaub, nicht 100%ig sicher, ob Du die eben von mir > > gestellte Frage mit "Ja" beantwortet hast. Höre ich jetzt das Gras > > wachsen, oder ist da in Deinem Satz ein Subtext, der etwa lautet "... > > ist also selber schuld, wenn er Ärger kriegt - was schreibt er auch > > solche Sachen!"? > > Nö, das nicht. Ich möchte keinesfalls einem eventuellen > Angreifer das Wort reden -- ich verabscheue Gewalt. Sag' mal, geht's noch 'n bisschen verblasener?! Von "Gewalt" war überhaupt (von meiner Seite wenigstens) nicht die Rede. Es geht um unzivilisiertes, also sozusagen tierisches Verhalten; oder infantiles, imbeziles - jedenfalls i.e.S nicht menschliches Verhalten. (Nicht alles, was ein Wesen mit dem Körper eines _Homo sapiens sapiens L._ an Verhalten zeigt, ist auch notwendigerweise *menschlich*. "Mensch" ist für mich eine soziale, keine zoologische Kategorie (das ist eben Homo sapiens usw.). Mensch _ist_ man nicht, Mensch _wird_ man; der eine mehr, der andere weniger. So, da haste mal eine beyond-mainstream-Hypothese, in aller hier gebotenen Kürze! Was sagst Du: würdest Du an meiner Stelle die Probe auf's Exempel machen, von wegen keine "Angst vorm Gefundenwerden" (E.M., weiter unten)? Ist das "trollen"?? Wäre ich, wenn ich so (in einer NG) schriebe, ein "Elch"?? Gewalt - um darauf nur kurz zurückzukommen - ist ein (in einer paranoiden Binnenlogik) hochrationales (d.h. eminent menschliches) Kalkül, meist zwecks Erreichung oder Aufrechterhaltung von irgend etwas; Sie *instrumentalisiert* überaus häufig (also: i.d.R.) tierische Dispositionen in Menschenkörpern, aktualisiert tierische Verhaltensweisen im Dienst ihrer Erhaltung + Sicherung. Gewalt ist abstrakt! Und ein zentrales Interesse von Gewalt ist noch immer gewesen, den Ekel und den Widerstand seitens der Zivilisierten umzuleiten und abzulenken - z.B. auf akute, physische (eben *konkrete*) Tätlichkeit Imbeziler (... die ja punktgenau _nicht_ *Gewalt*tätigkeit ist!), für die etwa die Zumutung des Menschlichen eine zu große wurde -, damit sie, die Gewalt, unbefragt und unbezweifelt fortexistieren kann. > Aber ... "Schon faul!"(zit. nach K.Kraus) Vergeigt, Erik! > ... wer soviel Angst vor Angreifern hat, von dem behaupte ich > einfach mal, daß er wahrscheinlich trollt. Die Macht ist spürbar mit Dir. Mir wird's ungemütlich. > Denn für seine Meinung allein wird man nicht angegriffen;(...) HA! HA!! HA!!! > > ... [A]uf wessen Seite [verortest] Du in einem solchen Fall den zivilisatorischen Defekt : > > Beim _Schreiber_ oder beim _"Rächer"_? > Beim Rächer. > > Aber, s.o.: wer soviel Angst vor Rache hat, ist sich bewußt, > daß seine Postings Rachelust erzeugen werden. Und solche > Postings mag ich nicht lesen -- zum Mich-Ärgern ist mir > meine Zeit zu schade. Da hättest Du dann jetzt auch schreiben können, zum *Leben* sei Dir Deine Zeit zu schade. Naja, mögen immerhin Deine Wegseh-, Weghör- und Maulhaltfähigkeiten weiter entwickelt sein als meine... > > > Dann ist es > > > aber gut, wenn er geht, > > Es ist nie, nie, nie "gut", wenn jemand "geht"! Auch wenn Du's (und auch > > sonst niemand) nicht wahrhaben willst: Sätze dieser Art sind lupenreine > > Todes-, ja, Tötungsmetaphern!! (Nicht wüten! Nachdenken!) > > Ich wüte nicht. Aber ich stehe zu meiner Aussage: wenn ein > Troll oder Elch einer Gruppe, einer Hierarchie oder gar > (und man wird ja hoffen dürfen) dem Usenet Lebewohl sagt, > dann ist das für die Verbleibenden gut. Am allerbesten wohl (Achtung! Polemik!) gleich: Dem Leben Lebewohl sagt; das muss dann ja "für die Verbleibenden" am aller-aller-allerbesten sein! > > ... wie sie seit den > > 70ern schon grauslich weit Gestalt angenommen hat. Jedenfalls ist diese > > gern- und vielzitierte (aber doch scheint's weithin unverstandene) > > "1984"-Welt der reinste Kindergeburtstag dagegen... > > Herrjeh. Und Du siehst also in der Forderung nach Realnamen > im Usenet die ersten Vorboten? Was ist denn mit der > Kennzeichenpflicht im Straßenverkehr (neuerdings sogar > maschinenlesbar, ohgottohgott, Orwell ick hör Dir trapsen)? Symbolisch, Erik, ich schrieb "symbolisch"! Außerdem: Freiheit wird klein bei klein abgerissen - die Zeit der ungeschlachten, der Grobian-Diktaturen (wie man sie uns zu erkennen gelehrt hat) ist vorbei. > Tut mir leid, aber das halte ich für grotesk. Hoffentlich ist es wirklich nur grotesk! Ich suche sowas nicht - ich krieg's auf Schritt und Tritt ins Gesicht geschlagen; ich habe meine Wegseh-, Weghör-, Maulhalt-Fähigkeiten eben nicht auf dem "erforderlichen" Stand. > > > Der Name ist abseits des persönlichen Umfelds das erste, > > > was man gemeinhin von einem Menschen erfährt. > > Gemeinhin. Aber - ich wünsche 's mir jedenfalls so sehr! - im Net ist > > das anders! Warum darf das denn hier im Net nicht mal _anders_ sein als > > gemeinhin? Warum denn nicht wenigstens mal probieren?! Wovor, wovor die > > Angst? Das ist nicht rhetorisch gefragt: Ich warte so sehr auf Antwort > > auf diese Frage! > Dann geh doch mal nach alt.* und kuck Dir an, wovor wir > Angst haben. Ich lese auch eine alt.*-Gruppe, da geht's > noch... aber schon einige der rec.*-Gruppen, die ich so > frequentier(t)e, sind nahezu unlesbar und verschwinden > deshalb so allmählich wieder aus meiner Gruppenliste. Was geht *mich* letzten Endes *Deine* Gruppenliste an... Ich lese auch viele Gruppen und habe _cum grano salis_ 'ne ganze Menge Spaß, erfahre viel Interessantes - und sollte's irgendwo mal zu sehr durcheinanderpurzeln oder Verbalinjurien überhandnehmen, na, dann lass' ich's halt. Ich diskutiere selten mit, mit meinen vielen beyond-mainstream-Hypothesen. Strengt mich zu sehr an - du bemerkst, ich schreibe keine 3-Zeilen-Postings. > Ja, und? Worauf ich hinauswollte, war doch, daß wenn > Dich wirklich wer finden will, er Dich auch finden wird, > egal ob Du nun Karlheinz Müller bist oder Knorkomat. > Deswegen halte ich die Angst vor dem Gefundenwerden für > ein unbrauchbares Argument kontra Realnamensgebot. Wie schon gesagt: Die einzige Net-adäquate Form des Mailens wäre das defaultmäßige Remailing. Wer Details erfahren möchte, kann seinen Mail-Gegenüber danach fragen. > > > Dein Argument ist doch genau das der RNF, daß > > > sich nämlich, wenn Allos akzeptiert werden, jeder jederzeit > > > eine neue Identität basteln kann ... > > Neien!! Einen neuen N A M E N ! Das, was Du (und eben zahlreichee andere > > Diskussionsteilnehmer auch) "Identität" nennst, ist eine Fiktion, ein > > ideologisches-demagogistisches Phantasma [...] > Nenn es, wie Du willst. Wegwisch! Wegputz! Wegfeg! > Wenn Du, Knorkomat, morgen als > Lavatron postest, erkenne ich Dich nicht wieder (und > erzähle in der Folge Dir dasselbe vielleicht nochmal). > Darauf hab ich keinen Bock. Den logischen Fehler in dieser Konstruktion wirst Du sicherlich beim nochmaligen Lesen selbst finden, nich? > Die Chance, daß ich, Erik > Meltzer, umgekehrt mal als Udo Bockelmann poste, ist > geringer -- denn dann würde ich, meinen eigenen Normen > gemäß, zum Lügner. Den logischen Fehler in dieser Konstruktion wirst Du sicherlich beim nochmaligen Lesen selbst finden, nich? [...] > > > "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern" zu neuen Ehren > > > kommt. > > Hier kommst Du auf einen weiteren Aspekt diese Kerns der Diskussion. > > Vergleiche hierzu auch diesen Thread-Teil, der die Äußerung "Menschen > > ändern sich nicht" behandelt. "Was kümmert mich heute mein Geschwätz von > > gestern", wie's überlieferterweise heißt, ist die, zugegeben etwas > > burschikose + provokante, Formulierung für eine durchaus > > fortschrittliche, erkenntnisfreundliche Grundhaltung zu (Hypo)Thesen, > > Argumenten, ja, auch zu "Überzeugungen" (...so etwas sollte man aber als > > erwachsener, intellektuell bemühter Geist sowieso nicht haben!). > > Ho, hooo! Langsam mit den jungen Pferden. Dito! > Als erwachsener, "intellektuell bemühter" (klingt irgendwie wie > politically correct für "beschränkt" :-) Mensch sollte man keine > Überzeugungen haben? Dascha interessant. Ja, denk ma an! "Der Weg zum Fundamentalismus ist mit Überzeugungen gepflastert; Glaube und Gewissheit heißen seine Leitplanken; und der Mittelstreifen ist mit Menschenblut gemalt." (S.Kendzia, neulich bei Pizza-Peter) > Und ich habe durchaus nichts gegen Meinungsänderungen, aber > ich muß mich, wenn ich mal wieder eine durchmache, deswegen nicht > hinter einem neuen Pseudo verstecken. Der Erik Meltzer von 2000 > vertritt vielleicht andere Ansichten als der von 1994, ja und? > Dafür gibt's den Date-Header. > > Äußerungen, gemeinte Meinungen sind keine Nibelungentreueschwüre, auch > > keine irgendwie einklagbaren Verträge oder sonst etwas so > > steinernes-beinernes! Morgen schon kann ich auf etwas ganz neues kommen, > [...] > > Wenn ich mit meinem "Namen" zeichne, verwechseln das eben immer noch zu > > viele Menschen mit einer Unterschrift unter einen Vertrag oder so, > > jedenfalls irgendwas "Bindendes". Und das sollte nicht sein; deshalb, > > und just hier im Net ganz besonders, diese Reklame für allgemeine > > Allonymie. > > Das ist IMHO Schwachsinn. Wenn ich heute zu Dir sage: "Moment, > in Deinem Posting vom 17.4.1998 hast Du aber gesagt, daß..."; > was hindert Dich dann, zu sagen, daß Du Deine Meinung geändert > hast? Das muß ich dann akzeptieren. Stimmt. Habe nochmal nachgedacht. Ergebnis: Das mit dem "Morgen schon kann ich auf etwas ganz Neues kommen ..." ist kein starkes Argument pro Allonymie. Allerdings hatte ich's auch nicht so gemeint, wie Du es wohl scheint's aufgegriffen hast; ich hatte _nicht_ an ein Verhalten á la "Meinungsänderung => Allonymänderung" gedacht - aber ich hatte das schlecht formuliert, entschuldigung. > Wenn Du aber auch Deinen Pseudo änderst, ist das wie ein > Verleugnen aller Deiner bisherigen Postings. Da haben wir's wieder, das schlechte alte "zu" etwas "stehen", diesmal in seiner Negation: "verleugnen". Ich stelle fest: Ich habe auf die in meinen Postings wiederholt geäußerte Frage, WAS es denn, genau, auf sich habe damit, *keine* Antwort bekommen, außer einer von I.Reichel, die sich dann aber doch nach 4 Zeilen in einer Tautologie verhedderte. Die Postings, die ich dann "verleugnete", sind und sind und sind in der Welt, und ihr Inhalt ist ihr Inhalt ist ihr Inhalt! Und DAran änderte sich nix, egal, was ich mit meinem Allonym machte! Ich wäre dann lediglich "weg", "gone", "parti". Das wäre, je nach Lage des Einzelfalls, wohl vielleicht unhöflich - allein, der Inhalt meiner Postings bliebe derselbe. > Und was bringt > Dich bitte zu der Ansicht, ich wollte mich mit etwas befassen, > das du morgen spontan komplett verleugnen wollen könntest? Ich habe diese Ansicht nicht. Kenne mich im FuturII Konjunktiv nicht so aus. Ansonsten s.o. > > Wichtiger ist mir, hier anzumerken, dass Du das Zitat hier - > > wie schon einmal weiter oben - an einer Stelle abbrichst, nach welcher > > der wichtige Knaller erst *kommt*! Die ganze Freiheits-Sache macht doch > > diese Zumutung zu einer, der man sich mit Aussicht auf reichen Lohn > > stellen soll - sage ich. > > Sagst Du. Ich sehe das anders. Diese Art von Freiheit will > ich nicht, und will ich auch nicht ausprobieren. Das haben > andere vor mir getan, in alt.* und rec.*, in Chats und > Webforen, und wenn ich mich da umkuck, schaudert's mich. > > > Ich will > > > niemanden "dingfest machen", ich will bloß wissen, ob ich > > > meinen Gesprächspartner schon kenne. > > Das hier im Net betrachte ich nicht als "Gespräch" - ehestens ist es so > > eine Art Briefwechsel. Und dann, und bitte fluche nicht wegen meiner > > kleinteiligen Genauigkeitspusselei, was heißt hier "kennen" bzw. (noch > > seltsamer) "schon kennen"? > Ich kenne meine langjährigen Diskussionspartner, Brieffreunde, > Netzbekanntschaften, nenn es wie Du willst. Ich weiß, worüber > wir schon gestritten haben, wo wir einer Meinung sind und wo > wir die abweichende des anderen akzeptieren. muss heißen "respektieren" > Ich weiß, worüber > ich Witzchen reißen darf und welche Themen ich besser unberührt > lassen sollte. Und ich weiß, was ich schon mal erzählt habe > und was noch nicht. Zumindest meistens. > > Das meine ich mit "kennen". Gut, geschenkt. Warum dazu (zu allem, was Du beschrieben hast) aber der "wirkliche" Name plus prinzipieller Lokalisierbarkeit so doll nötig sei, ist mir nach wie vor nicht einsichtig. > > - Ich halte dagegen: Jeder Satz, jede > > Einlassung zu irgend etwas, stehe für sich, mache also Sinn (oder > > Unsinn) einzig aus sich selbst. > Das sehe ich aber nicht so. Klar, es ist so, wenn man jemanden > eben *noch nicht kennt*, und auf einer rein sachlichen Ebene > ist da auch nix zu bemäkeln Ja, und um genau diese "rein sachliche Ebene" sollte es, was das Design und den Standard des Net betrifft, gehen. Alles Weitere sei nicht verboten, ach was, aber off-Standard, Parerga, wie ich's oben schon mal nannte. > -- aber wenn's ans Eingemachte geht (...) Was ist denn *das* jetzt wieder - ich meine: Was soll DAbei wohl 'rauskommen (außer eben vielleicht im Partnersuch&find-Spiel) außer vertrödelter Zeit. Naja, bisschen Voyeursvergnügen, wenn's hoch kommt. Ich beobachte - überall im "RL" -, wie das "Eigemachte" (tun wir mal so, als wüssten wir, was gemeint ist) nicht bloß "auch noch da ist", nein, sondern wie es, mit ermüdender Vorhersagbarkeit, GEGEN die "rein sachliche Ebene" (auch hier tun wir mal, als wüssten wir, was gemeint ist) in Stellung gebracht wird; was noch immer zum Schaden der rationalen Diskussion ausgeht... Und ich Tor wünschte mir, im Net könnte es mal ANDERS sein, wenigstens comme d'habitude. Satz mit x : War nix! > > Enthält ein solcher Satz (Einlassung, > > evtl. ein ganzer Text) _Verweise_ auf andere Sätze (Texte), so sind > > natürlich diese Verweise mit zu berücksichtigen; all das steuert dann > > aber der *Verfasser* des jeweiligen aktuellen Textes und eben NICHT die > > - im einzelnen unerforschliche - Urteils/Vorurteils-Gemengelage (das ist > > das, was i.a. "kennen" genannt wird) des je aktuellen *Rezipienten*! > Unter Umständen aber doch. Wenn der sonst sehr angenehme M. in > der täglich gelesenen Newsgroup X mal wieder von seinem > Lieblingsthema D. anfängt, zu dem ich eine völlig andere > Meinung habe, dann ist es gut -- für mich, für M. und für die > anderen Teilnehmer von X --, wenn ich mich nicht wieder dazu > äußere. Ich drücke zähneknischend auf N (nächstes Posting) > und denk mir meinen Teil. Wieso denn zähneknirschend? Thema D. ist für Dich, bezüglich M., ein "erledigter Fall" - alles klar. Du hast Dich, so Dein Beispiel, ja schon zu M.s D. geäußert. Kein Problem. Zweimal predigt der Pastor nicht. > Wenn ein ganz anderer X-Leser, etwa W., von D. anfängt, mag > ich vielleicht schon mit ihm drüber reden -- seine Meinung mag > mich interessieren, seine Argumente mich zum Nachdenken bringen > oder umgekehrt. Genauso, wenn M. über K. redet. Und deswegen > ist es sinnvoll, seine Gegenüber kennenlernen zu können. Und > Pseudos sind dafür eben nicht gut (denn wer weiß, als was der > morgen postet und ob nächste Woche ein anderer sein Pseudo > tragen wird?). Niemand weiß. Also auch Du nicht. Und DAran soll ein "Real"name etwas ändern?? (...) > > Tja, und ich denke eben, dass ich "Leute" überall eher "kennenlernen" > > kann als im Usenet. Mir geht's hier doch eher um die - auch wenn's > > irgendwie bekotzt klingt - geistige Ebene (d.h. bei mir also "*nicht* > > "egal auf welcher Ebene""). Aber warum soll's nicht für beide was geben > > im Net? Tja, warum.... > > Gibt's ja. Niemand zwingt Dich zum Realnamenangeben. Und niemand > ist gezwungen, Dich zu lesen. Alles ist gut. > > > Für mich war jedenfalls bisher so gut wie nix > > dabei KNORKO!! Das war'n überheblicher Kackspruch! - und die Riposte war hochverdient! Lass in Zukunft diese alberne Pose! > > (geht nicht gegen Dich, sei nicht so empfindlich). > Och, das kann ich schon verkraften. Für mich war nämlich schon > so einiges dabei, wenn auch nicht gerade Du ;-) Du weißt nun, worauf ich hinauswill bezüglich Netiquette-Design und technischem Usenet-Standard. Anonymität (und natürlich auch: Verschlüsselung!) hat, ganz klar, ein subversives Potential; weshalb die Macht&Gewalt auch einiges tut sie aufzuladen mit Assoziationen, ja Konnotationen des Dunkelmännischen, Hinterlistigen, Verbrecherischen und anderen bürgerlichen Angstmaschinen: Schau Dir einmal an, wie es in einem Teil des knorko-Threads jetzt zugeht: Da sind sie schon bei "Kinderpornographie" angekommen!! Q.E.D. Grüße Stephan